Anekdotische Evidenz ist eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen individuelle Erfahrungen, Geschichten oder Einzelfälle als ausreichenden Beweis für eine allgemeine Regel oder Entscheidung heranziehen. Diese Form der Evidenz ist besonders verführerisch, weil sie emotional ansprechend und leicht verständlich ist – sie reduziert komplexe Sachverhalte auf greifbare, oft persönliche Erzählungen.
In Organisationen kann anekdotische Evidenz zu Fehlentscheidungen führen, wenn beispielsweise eine Führungskraft aufgrund einer einzelnen Rückmeldung ein ganzes Projekt umwirft oder ein Teammitglied eine Methode ablehnt, weil es einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Besonders in selbstorganisierten Strukturen, in denen Entscheidungen oft dezentral und auf Basis von Vertrauen getroffen werden, ist das Risiko hoch, dass anekdotische Evidenz systematische Daten oder breitere Perspektiven überlagert.
Gegenstrategien umfassen die bewusste Einbindung von Daten, die Reflexion über die Repräsentativität von Beispielen oder die gezielte Suche nach Gegenbeispielen. Auch die Förderung einer Kultur, in der Entscheidungen transparent begründet werden müssen, kann helfen, anekdotische Evidenz zu relativieren.
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