Intersektionalität ist ein analytischer Rahmen, der in den 1980er-Jahren von der US-amerikanischen Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw geprägt wurde. Sie kritisierte damit die isolierte Betrachtung von Rassismus und Sexismus und zeigte, wie schwarze Frauen in antidiskriminierungsrechtlichen Verfahren durch das Raster fielen, weil Gerichte nur eine Diskriminierungsdimension auf einmal prüften. Der Begriff hat sich seitdem zu einem zentralen Konzept in der kritischen Organisationsforschung, der Diversity-Arbeit und der postkolonialen Theorie entwickelt.
Für Next-Generation-Organisationen ist Intersektionalität relevant, weil sie hilft, Macht- und Privilegienstrukturen sichtbar zu machen, die sonst unsichtbar bleiben. Selbstorganisierte Teams oder zweckgetriebene Unternehmen, die sich als „post-hierarchisch“ verstehen, laufen Gefahr, bestehende Ungleichheiten zu reproduzieren, wenn sie nicht intersektional denken. Beispielsweise kann ein partizipatives Entscheidungsverfahren Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund systematisch benachteiligen, wenn es unbewusste Vorurteile oder unterschiedliche Kommunikationsstile ignoriert.
Praktisch bedeutet das: Diversity-Maßnahmen müssen über einzelne Kategorien hinausgehen. Ein Mentoring-Programm nur für Frauen greift zu kurz, wenn es nicht auch Rassismus, Klassismus oder Ableismus mitdenkt. Intersektionale Ansätze fragen danach, wer in einer Organisation unsichtbar bleibt, wer Zugang zu Ressourcen hat und wer Entscheidungen trifft. Sie fordern dazu auf, Macht nicht als statische Größe zu betrachten, sondern als dynamisches Geflecht, das sich je nach Kontext verschiebt.
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